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Haus H2 Wiesbaden

Die Suche nach einem passenden Grundstück für ein Einfamilienwohnhaus ist nicht immer leicht. Die Lage, die Umgebung, die Bebauungsmöglichkeiten und der Preis müssen stimmen. Auch in diesem Falle blieb sie erfolglos, bis die Idee kam, das im eigenen Besitz befindliche Mehrfamilienhaus zu erweitern.

Am Rande des Wiesbadener Villengebietes liegt dieses Objekt, gerade dort, wo sich die klassischen Villen mit der ungeordneten, nahezu rücksichtslosen urbanen Bebauung der 70er und 80er Jahre verzahnen.

Der B-Plan, der offensichtlich für die gewerblichen Bauten zur Frankfurter Straße hin erstellt wurde, schließt unser Grundstück noch mit ein. Dieses bedeutet, dass das Maß der baulichen Nutzung um ein vielfaches höher ist, als die vorhandene Bebauung. Dies bewegte die Bauherrschaft dazu, uns mit der Aufgabe zu betrauen, das Gebäude so weit wie möglich zu erweitern, um diese Erweiterung dann als „Alterswohnsitz“ nutzen zu können.

Wie geht man mit einer solchen Situation um? Zur linken ein Waschbeton-Klotz in Form eines 5-Geschossigen Bürogebäudes aus den 70ern, zur rechten eine nahezu filigrane „Gartenvilla“ aus der Jahrhundertwende und dazwischen unser eher unscheinbares Haus aus der Nachkriegszeit, das nun um 2 Geschosse aufgestockt werden soll...

Die bereits im Bestand teilweise sehr knappen Grenzabstände müssen eingehalten werden, der Denkmalschutz muss zustimmen, weil das Objekt sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Einzelkulturdenkmälern befindet - die „Waschbeton-Bürobebauung“ und das Hinterhaus des „City-Bowling“ in unmittelbarer Nachbarschaft auf der anderen Seite werden bei dieser Beurteilung natürlich nicht berücksichtigt, die Höhenentwicklung muss sich in den Straßenzug einpassen.

Nachdem wir im Modell das Walmdach entfernten, erkannten wir auf Anhieb die schon fast klassisch-moderne Gebäudeform des Bestandes. Das sollte auch die Formensprache für den Neubau sein, die als Bindeglied zwischen der klassischen Villa und der Gegenwart dient. Geradlinige, klare Formen und eine reduzierte, natürliche Farbgebung sind das Ergebnis.

Geschlossene Lochfassaden, als Pendant zu den alten Villen, wechseln sich ab mit großzügig verglasten Fensterflächen. Grundidee war eine massive Scheibe, die so gefaltet wurde, dass sie sowohl Decken, als auch Wände bildet. Dieses Faltwerk ist das Rückgrat des Hauses, rein optisch wirkt es wie der einzige statische Bauteil, das oberste Geschoss scheint zu schweben oder noch besser, an dieser einzigen Rückwand zu schwingen!

Die Erweiterung um 2 Geschosse stellte uns bei dem Bestand vor nicht einfache Aufgaben. Es ist nichts anderes als ein „Haus auf dem Haus“ was geplant wurde, das Gebäude aus der Nachkriegszeit musste doch enorme zusätzliche Lasten aufnehmen. Die Lösung liegt in der Ausführung des gesamten Neubaus als Stahlkonstruktion, was zur Folge hat, dass die gesamte Erweiterung ein ausgesprochenes Leichtgewicht ist.

Die äußere Farb- und Formensprache wurde auch bei der Innengestaltung kompromisslos fortgeführt: offene, großzügige Grundrisse; geölte, dunkle Holzfußböden; anthrazitfarbener Schiefer; eine reduzierte Stahl-Holz-Treppe; Nur-Glas-Geländer sowie ein schwebender Kamin aus gesandstrahltem Edelstahl sind maßgebend für die Innenräume.

Wir haben in diesem Fall, nicht versucht das Alte vom Neuen strikt und mit allen Mitteln zu trennen, wie es oft üblich ist, hier sind der Bestand und der Neubau harmonisch miteinander verschmolzen, als wäre es nie anders gewesen.

„...auf dass es wieder wird, wie es niemals war!“